Ersteinstellung

  • Patienten sollen vor der Einstellung ausführlich über Eigenschaften des Medikaments, den Wirkmechanismus, die Induktionsperiode und die möglichen Nebenwirkungen informiert werden! Mit einem adäquaten Verständnis des Wirkprofils lassen sich viele, auf die Einstellung sich negativ auswirkende Ängste vermeiden bzw. relativieren (siehe auch Information für den Patienten mit Buprenorphin, informed consent).
  • Der Patient muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass er bei Klinik / Spitalaufenthalten oder bei einer Konsultation bei einem anderen Arzt wegen allfälliger Interaktionen die Substitution mit Buprenorphin angeben muss.
  • CAVE: Wird mit der Buprenorphineinnahme zu früh begonnen, kann dies zu einer provozierten Entzugssymptomatik führen. Opioide (z.B. Heroin und/oder Methadon) sollen aus dem Körper eliminiert sein.
  • Ideal ist, wenn der Patient erste vegetative Entzugssymptome verspürt (in der Regel mindestens 12 Stunden nach letzter Heroineinnahme bzw. 24 Stunden nach letzter Methadoneinnahme).
  • Allfällige auftretende Entzugserscheinungen können symptomatisch mit einem alpha-2-Adrenozeptor-Antagonist (Catapresan®) behandelt werden.
  • Eine im Voraus durchgeführte Erfassung der Entzugssymptome kann durch die Selbstbeurteilungsskala SOWS (Short Opiate Withdrawal Scale nach Gossop et al.) erfolgen. Mehr als 10 Punkte werden als Entzugssymptomatik gewertet.

Es gibt verschiedene Empfehlungen zur Induktion einer SGB mit Buprenorphin:

A) Langsame Sättigung

gemäss Arzneimittel-Kompendium der Schweiz

  • Ersteinstellung:
    • Erste Dosis von 2 mg.
    • Bei Bedarf und guter Verträglichkeit kann diese Dosis am gleichen Tag wiederholt werden (Intervall mindestens 4 Stunden; maximale Tagesdosis 4mg)
    • Je nach Bedarf und Verträglichkeit kann am zweiten Tag auf 4 mg oder 8 mg (einmal täglich) erhöht werden.
  • Erhaltungsdosis:
    • Die Dosierung soll bei Bedarf schrittweise erhöht werden. Klinische Studien haben gezeigt, dass die übliche wirksame Tagesdosis im Bereich von 8–16 mg liegt. Es liegen nur beschränkte Sicherheitsdaten mit Dosierungen über 20 mg vor. In Einzelfällen haben sich kleinere oder grössere Tagesdosen (max. 32 mg) als therapeutisch wirksam oder notwendig erwiesen.

B) Rasche Sättigung

gemäss Empfehlungen "Substitutionsgestützte Behandlungen bei Opioidabhängigkeit" (BAG/SSAM/VKS 2020)1

  • Ersteinstellung:
    • Erste Dosis von 2 mg
    • dann drei bis vier Mal je 8 mg am ersten Tag, bis maximal 34 mg am ersten Tag
    • Dosis am zweiten Tag liegt dann deutlich reduzieren, maximal 12 mg
  • Erhaltungsdosis:
    • Klinische Studien haben gezeigt, dass die übliche wirksame Tagesdosis im Bereich von 8–16 mg liegt. Es liegen nur beschränkte Sicherheitsdaten mit Dosierungen über 20 mg vor. In Einzelfällen haben sich kleinere oder grössere Tagesdosen (max. 32 mg) als therapeutisch wirksam oder notwendig erwiesen2.

 

1Auch Saarbrücker-Modell genannt; also streng genommen "off-label use". Eine rasche Buprenorphin-Induktion hat sich in der klinischen Praxis allgemein als vorteilhaft erwiesen und trägt zur Verbesserung der Retention massgeblich bei.

2 Einzelne Suchtmediziner berichten von guten Erfahrungen mit der Abgabe von Buprenorphin jeden 2. oder 3. Tag.




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