"Safer-Use Regeln"

  • Es gibt keinen Substanzkonsum ohne Risiko! Der Konsum kann trotzdem oft nicht verhindert werden. Im Sinne der Schadensminderung ist es deshalb wichtig, die Konsumenten über Wirkungen, Nebenwirkungen und Risiken der psychotropen Substanzen zu informieren und sie aufzuklären. Ziel eines solchen Vorgehens ist, die Konsumenten zu einem möglichst verantwortungsvollen Umgang mit diesen psychotropen Substanzen zu sensibilisieren und auf diese Weise die Gefahren, potentielle Risiken und Gesundheitsgefährdungen, die ein Konsum psychotroper Substanzen nach sich zieht, auf ein Minimum reduzieren.
  • Drei Faktoren (Drug, Set, Setting) beeinflussen die gewünschte oder unerwünschte ("bad trip") Wirkung nach einem Substanzkonsum und müssen beachtet werden:
    • die Substanz (Drug) selbst (Qualität, Dosis, Reinheit, usw.)
    • Persönlichkeit und Stimmung (Set) des Konsumenten (Erwartungen, Ängste, momentane Stimmungen, körperliche Befindlichkeit, usw.)
    • das Umfeld (Setting), in dem es zum Substanzkonsum kommt
  • Vor jedem Konsum sollten sich die Konsumenten zu diesen drei Ebenen Gedanken machen. Risiken können so zwar nicht ausgeschlossen, aber minimiert werden.
  • Die Wirkungen, die eine Kombination von zwei oder mehr Substanzen auslöst, sind schwer einzuschätzen und entsprechen meist nicht der Summe der Einzelwirkungen. Je nach Substanzkombination potenzieren oder vermindern sich die jeweiligen Effekte Sie beeinflussen Körper und Psyche in nicht vorhersehbarer Weise. Durch einen Mischkonsum erhöht sich das Risiko von gefährlichen Zwischenfällen stark (Siehe Tabelle: „Besonders riskante Kombinationen“).
  • "Legal Higs",  "Legal Drugs" bzw. "Natural Drugs" heisst nicht ungefährlich! Substanzen können mit anderen gefährlichen Stoffen heimlich "verschnitten" sein, deren Wirkungen und Nebenwirkungen noch sehr unbekannt sind!
  • Bei  Konsum ist unter anderem folgendes zu beachten: 
    • Die Konsumenten sollen psychisch und körperlich fit sein. (z.B.: ausgeschlafen sein, ausreichend Nahrung zu sich nehmen, keine alkoholischen Getränke konsumieren).
    • Nicht wahllos die erste Pille/das erste Pulver kaufen. Zunächst Informationen einholen (kein Produkt mit Phantasienamen ohne Deklaration des Inhaltsstoffs erwerben), dann vorsichtig dosieren!
    • Die Substanz zunächst "antesten" (z.B. nur eine kleine Menge einnehmen), dann ca. 2 Stunden abwarten und die Wirkung erfahren ohne gleich "nachzuspicken"!
    • Mischkonsum vermeiden, da Wechselwirkungen gefährlich und unerforscht sind!
    • Nie alleine konsumieren. Während des Konsums immer auch auf die Mit-Konsumenten achten! Eintretende Halluzinationen, Erregungszustände, Angstzustände, Benommenheit, problematische Reizüberflutungen, verzerrte Realitätseinschätzungen, usw. können Konsumenten in gefährliche Situationen bringen.
    • Die Konsumenten sollten immer Informationen deponieren (z.B. durch Mitteilung an andere Beteiligte), was sie konsumieren werden oder konsumiert haben!
    • Sofern sich bei einer Person nach dem Konsum körperliche und/oder psychische Probleme zeigen, sollte die betroffene Person nie alleine gelassen werden. Beteiligte sollen sofort die Sanität rufen!
    • Konsumenten sollten die "Safer Use Regeln" ("safer sniffing") beachten! Durch den gemeinsamen Gebrauch von Utensilien, z.B. "Röhrchen" oder "Banknoten", können Infektionskrankheiten (z.B. Hepatitis C) übertragen werden.
    • Psychoaktive Substanzen sollen vor dem Konsum, wenn immer möglich, chemisch analysiert werden. In Zürich können jeden Dienstag, im Drogeninformationszentrum DIZ und 10 Mal Jährlich an Partys Substanzen analysiert werden. Informationen dazu: www.saferparty.ch. In Bern können 2-3 Mal pro Jahr Substanzen an Partys analysiert werden. Informationen dazu : www.rafe-it-safe.ch. In den USA können Substanzen, gegen Bezahlung, zur Analyse eingeschickt werden. Informationen dazu: www.ecstasydata.org. Es existieren diverse Webseiten mit Pillenfotos, Pillenbeschreibung und dazugehörige Konsumentenfeedbacks. Z.B.: www.pillreports.com.
    • Für Zuhause existieren sogenannte Schnelltest, die können Helfen die tatsächlichen Inhaltsstoffe einer Substanz in Erfahrung zu bringen. Ohne Erfahrung können sie aber auch zu einer falschen Sicherheit führen. Informationen dazu: http://www.eztest.com/
    • Konsumenten anraten "Chill out-Phasen" einzulegen! (z.B. Ruhe suchen, viel Wasser trinken, an der frischen Luft abkühlen)
    • Ein "Hangover" (Motivationslosigkeit, depressive Verstimmung, Unsicherheit, körperliche Symptome) nach dem Rausch nicht mit anderen Substanzen unterdrücken oder aufheben/aufgehoben werden!
    • Frauen sollten aus verschiedenen Gründen (Unterschiede in Gewicht, Fett/Wasserverteilung, Metabolisierungsrate) eine geringere Dosis einnehmen!
    • Personen, die unter Herzproblemen, Bluthochdruck bzw. Kreislaufproblemen, Schilddrüsenüberfunktion, Leber- oder Nierenerkrankungen bzw. unter psychischen Störungen leiden, ist vom Konsum psychoaktiver Substanzen dringend abzuraten!
  • Durch eine Enthemmung nach Substanzkonsum kann es zu einer starken Selbstüberschätzung bzw. zu einer Fehleinschätzung von Risiken und Gefahren kommen.
    • "Don't drive" –"Fahren unter Drogeneinfluss“ (FUD) ist verboten! Es besteht Nulltoleranz, da psychoaktive Substanzen die Wahrnehmung und das Reaktionsvermögen über längere Zeit (!) nachhaltig beeinträchtigen.
    • Die Wahrscheinlichkeit für ein risikoreiches Sexualverhalten steigt durch die Enthemmung nach einem Substanzkonsum. CAVE: Aus Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten ist es sehr wichtig die "Safer Sex Regeln" zu beachten! (Kondome verwenden, Schwangerschaftsverhütung, usw. vgl. auch Aids Hilfe)
    • Kommt es trotzdem zu einem ungeschützten Sexualverkehr oder zu anderen riskanten Sexualpraktiken soll dringend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. In Rücksprache mit ärztlichem Fachpersonal (z.B. Hausärzte, Fachärzte, Spital, Aids-Hilfe) ist in bestimmten Fällen eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) in Erwägung zu ziehen, um das Risiko für eine Infektion mit HIV zu reduzieren. WICHTIG: Der Beginn mit einer PEP-Behandlung muss innerhalb von 72 Stunden erfolgen! Diese spezielle Behandlungsform erfordert eine einmonatige Einnahme von bestimmten HIV-Medikamenten. Das Risiko einer Infektion wird dadurch zwar nicht ausgeschlossen, aber stark minimiert. Die Einnahme dieser Medikamente ist mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

 

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