Ecstasy / MDMA

  • MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin), ist ein synthetisches Amphetaminderivat
  • Erstsynthese: 1912 als Methylsafrylamin
  • Gemäss BetmVV-EDI vom 30.5.2011 kontrollierte Substanz (= verbotenes Betäubungsmittel)
  • Früher als Ecstasy (XTC) vor allem in Form von Pillen verkauft, heute oftmals auch als MDMA-Pulver oder Kristall anzutreffen
  • Starke Zunahme des MDMA Gehaltes pro Pille in den letzten Jahren

Klassifikation

  • Entaktogen, Emphatogen 

Szenenname

  • XTC, Ecstasy, Exti, Pille, Molly, MDMA-Pulver, MDMA-Kristall, MDI (ämdi)

Epidemiologie

  • Konsum in der Bevölkerung ab 15 Jahren (CH 2015): im letzten Jahr 0.3% Frauen, 0.8% Männer; Lebenszeitprävalenz 2.1% Frauen, 5.8% Männer

Wirkmechanismus

  • MDMA ist ein synthetisches Amphetaminderivat, es bewirkt im ZNS und im peripheren NS eine vermehrte Serotonin-Ausschüttung
  • Die Wiederaufnahme von Serotonin ist gleichzeitig vermindert
  • Neben Serotonin kommt es auch zu einer schwachen Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin.

Verkaufsform (Galenik)

  • Pillen, Ecstasy (XTC) genannt, Kristalle oder kristallines Pulver, selten in Kapseln abgefüllt
  • In den letzten Jahren starke Zunahme des MDMA Durchschnittgehalts pro Pille (Gemäss Auswertung von Saferparty Streetwork / Drogeninformationszentrum DIZ Durchschnittgehalt 2020 186.9mg MDMA), bei gleichzeitiger Abnahme unerwarteter psychoaktiver Streckmittel (2020, enthielten rund 5% der in der Schweiz analysierten Pillen ein psychoaktives Streckmittel)
  • Kristalle, kristallines Pulver, Durchschnittlicher Reinheitsgehalt bei > 90% MDMA

Konsumform / durchschnittliche Dosis / Mischkonsum

  • Oral, selten nasal (verbunden mit einem starken Brennen in der Nase), noch seltener parenteral

Pharmakokinetik

Substrat von CYP2D6
Biologische Verfügbarkeit Max. Plasmaspiegel Halbwertszeit Aktive Metaboliten Wirkdauer (dosisabhängig) Elimination
 Oral 75%  60 - 90'  -  nein  4 - 6 h  renal

Eigenschaften / Wirkungen

  • Euphorie
  • Erhöhte Sinnesempfindlichkeit (Berührungen und Musik werden intensiver empfunden)
  • Ein wohliges Körpergefühl breitet sich aus
  • Gesteigertes Kontaktbedürfnis und Empathie (man fühlt sich mit den anderen Anwesenden verbunden).
  • Schwache zentrale Stimulation
  • Hunger- und Durstgefühl werden reduziert
  • Wachheit und Aufmerksamkeit erhöht
  • Körpertemperatur und Blutdruck steigen an

Safer-Use Empfehlungen

  • Akzeptiere, wenn die Wirkung zu Ende geht. «Nachspicken» erhöht die Toxizität (Giftigkeit) von MDMA.
  • Lass dir Zeit, um dich zu erholen, und lege regelmässig Konsumpausen ein (mindestens 4−6 Wochen), um den Serotoninhaushalt wiederherzustellen.
  • Siehe auch Safer-Use Empfehlungen

Drug checking möglich?

Interaktionen

  • Alkohol (erhöhte Belastung für Leber und Niere sowie Gefahr der Dehydratation)
  • SSRI und MAO-Hemmer: Serotoninsyndrom (Serotoninüberschuss im Gehirn, der mit autonom vegetativen Symptomen (Steigerung der Herzfrequenz, Bluthochdruck, Schwitzen, Übelkeit, Pupillenweitung usw.), zentralnervöse Symptome (Akathisie), Halluzinationen, Hypomanie, usw.) und neuromuskulären Symptomen [Tremor, gesteigerte Reflexe, epileptiforme Anfälle, usw.] einhergeht
  • Johanniskraut und Ginseng können auch serotonerge Wirkkomponenten aufweisen
  • "Uppers" (Amphetamin, Kokain usw.): extreme Serotoninfreisetzung im Gehirn
  • "Downers" (Alkohol, GHB/GBL, Cannabis): Dehydratation und Wärmestaugefahr
  • 2C-B: kann zu Krampfanfällen führen
  • HIV-Medikamente (Booster): Wirksteigerung durch langsame Metabolisierung

Unerwünschte Wirkungen während/nach Konsum

  • Übelkeit/Brechreiz, vor allem zu Beginn, 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme
  • Akustische, visuelle und taktile Wahrnehmungsveränderungen
  • Agitiertheit
  • Tachykardie
  • Hypertonie --> Gefässverletzungen und innere Blutungen
  • Herzrhythmusstörungen weniger ausgeprägt als bei Kokain und Methamphetamin
  • Palpitationen
  • Hyperthermie; CAVE: Overheating! (ohne Konsumpausen kann es zu einer starken Körpertemperaturerhöhung kommen)
  • Starkes Schwitzen; CAVE: Dehydratation (durch Verlust von Wasser kommt es zu einer Abnahme des Wassers im Körper) > durch die „psycho-physische Entkoppelung“ werden vom Körper ausgesendete, (lebens-)wichtige physiologische Bedürfnisse (z.B. Überhitzung, Durst, Schlafbedürfnis, etc.) psychisch unzureichend oder gar nicht mehr wahrgenommen
  • Mydriasis
  • Tremor
  • Trismus
  • Bruxismus
  • Rhabdomyolyse
  • Nierenversagen
  • Leberinsuffizienz
  • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC; pathologische Gerinnungsaktivierung)
  • Selten akutes (oder auch verzögertes) fulminantes Leberversagen

Kurz- und langfristige Auswirkungen auf das psychische Befinden

  • "Down" nach Konsum, Müdigkeit, depressive Verstimmung, Gereiztheit
  • Dosen über 1.5/1.3 (Frau) x Körpergewicht in mg MDMA erhöhen die negativen psychischen, körperlichen und neurotoxischen Nebenwirkungen
  • Halluzinationen
  • Verwirrtheit
  • Häufig depressive Zustände, am ausgeprägtesten in der Woche nach dem Konsum
  • Angstzustände
  • Verminderte Merkfähigkeit, Wortfindungsstörungen
  • Verlust von Zeitgefühl
  • epileptiforme Anfälle
  • In der Literatur finden sich - zwar selten - Fälle, in denen bei vorliegender Hypersensibilität gegenüber der Substanz MDMA auch bei "normalen" Dosen von 100-150 mg allergische Reaktionen auftraten, die dringend einer intensivmedizinischen Behandlung bedürfen (CAVE: ohne Behandlung kann es zu einem tödlichen Ausgang kommen). Insgesamt scheint aber das Risiko an einer MDMA-Einnahme zu versterben, gering zu sein. Meist stehen Todesfälle im Zusammenhang mit einem Mischkonsum von (meist hochdosiertem) MDMA mit weiteren psychotropen Substanzen. Es kann dabei zu einem Organversagen infolge von Überhitzung und Dehydration kommen.

Symptomatik Überdosierung / red flags

  • Halluzinationen
  • Hyperthermie
  • Hypertonie, Tachykardie
  • Arhythmie
  • Tachypnoe
  • Konzentrierter Urin
  • Selten Epilepsie

Therapie Überdosierung

  • Generell, siehe Notfallmassnahmen
  • Spezifisch
    • Flüssigkeitsersatz
    • vorsichtige Sedation (Diazepam)
    • Hypertonie-Behandlung
    • rasch CT zum Ausschluss intracerebraler Blutung
    • einfache Behandlung Hyperthermie

Schwangerschaft / Stillzeit

Strassenverkehr / Nachweisbarkeit

  • Strassenverkehr
  • Nachweisbarkeit
    • MDMA
      • Urin: bis 24 h (Dosis und Konsumfrequenz abhängig); MDMA erscheint innerhalb von 20 Min. nach Applikation im Urin
      • Blut: 1 Tag
    • siehe auch Nachweisbarkeit

 

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