Problematischer Alkoholkonsum

  • auch als missbräuchlicher, übermässiger, risikoreicher, riskanter oder schädlicher Konsum bezeichnet
  • Schwierig ist, dass der problematische Alkoholkonsum aus Public-Health-Perspektive (WHO) anders definiert wird als nach den gängigen diagnostischen Manualen (ICD-10; DSM-IV). Allen Systemen gleich ist jedoch, dass der problematische Konsum von der Abhängigkeit klar abgegrenzt wird.
  • Von „problematischem Alkoholkonsum“ wird nach internationalen Standards dann gesprochen, wenn durch das Konsumieren von Alkohol die eigene Gesundheit oder diejenige anderer Personen gefährdet wird und entsprechende Schäden in Kauf genommen oder verursacht werden.
  • Vgl. Screening, um herauszufinden, ob ein problematischer Alkoholkonsum vorliegt.
  • Für eine möglichst adäquate Früherkennung und –intervention werden Kurzinterventionen empfohlen.
  • Für die Behandlung vgl. Interventionen bei problematischem Alkoholkonsum
  • Problematischer Konsum tritt in folgenden Formen – teilweise kombiniert – in Erscheinung: Rauschtrinken, chronischer Alkoholkonsum, situationsunangepasster Alkoholkonsum

Rauschtrinken/binge drinking

Chronischer Alkoholkonsum

  • Als „chronischer Konsum“ wird der regelmässige Alkoholkonsum (häufiger als 3 x pro Woche, mehr als 3 Standardgetränke pro Trinktag) bezeichnet. Hinsichtlich der Mengen wird von der WHO ein Konsum ab 20g reinen Alkohol/Tag bei Frauen bzw. 30g/Tag bei Männern (dies entspricht 2 bzw. 3 Standardgetränken) nicht mehr als risikoarm eingestuft.
  • In der Schweiz trinken schätzungsweise 260‘000 Personen im Alter zwischen 15 und 75 Jahren chronisch zu viel Alkohol, mehr als die Hälfte davon (155‘000 Personen) sind gleichzeitig episodisch Rauschtrinkende und gelten demzufolge als „Risikokumulierende“ (GMEL et al. 2003).
  • Chronisches Trinken nimmt mit dem Alter deutlich zu und ist bei den über 50-Jährigen besonders verbreitet; vgl. auch Alkohol im Alter.
  • Bei Personen, welche die angegebenen Grenzwerte längerdauernd (wenn auch nur geringfügig) überschreiten, muss von einem erhöhten Risiko ausgegangen werden, auf Dauer alkoholbedingte körperliche und/oder psychische Störungen zu erfahren, bzw. eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln.
  • Bei 40 g Alkohol pro Tag verdoppelt sich beim Mann das Risiko, eine Lebererkrankung, einen erhöhten Blutdruck und/oder bestimmte Krebserkrankungen zu bekommen.
  • Bei Frauen ist ab 20 g pro Tag generell das Risiko erhöht, eine Lebererkrankung zu bekommen und wahrscheinlich auch Brustkrebs.

Situationsunangepasster Alkoholkonsum

  • Unter "situationsunangepasstem Konsum" (auch „inadäquater“ Alkoholkonsum genannt) wird der Alkoholkonsum in spezifischen Situationen verstanden, in denen schon kleine Mengen mit erheblichen Risiken für die eigene Gesundheit oder für die Gesundheit anderer verbunden sind. Beispiele für situationsunangepassten Alkoholkonsum sind:

Interventionen bei problematischem Alkoholkonsum

  • Personen mit problematischem Alkoholkonsum werden in der Regel vom Hausarzt gesehen. Nur wenige Betroffene wenden sich an eine Suchtfachstelle oder an ein Suchtambulatorium. Deshalb ist es wichtig, als Hausarzt kurze und wirksame Interventionen durchzuführen, um eine Betroffenheit und eine Veränderungsmotivation bei Risikokonsumenten zu fördern.
  • Die Wirksamkeit von Kurzinterventionen bei problematischem Alkoholkonsum ist mehrfach belegt. Sie basieren in der Regel auf der Motivierenden Gesprächsführung.
  • Empfehlung von Online-Selbsttests (diese basieren i.d.R. auf dem AUDIT, geben umgehend eine Rückmeldung zum persönlichen Konsum, Informationen und eine Empfehlung, ob der Alkoholkonsum reduziert werden sollte)
  • Empfehlung von Selbsthilfeprogrammen (online und/oder Literatur)
  • Angebote im Internet können dazu beitragen, dass die Schwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen, gesenkt wird. Die i.d.R. personalisierten Rückmeldungen zum eigenen Alkoholkonsum werden als weniger konfrontierend erlebt.
  • Bei Akzeptanz des Patienten sind zudem folgende Interventionen möglich:
    • einfache Beratung über mögliche Folgeschäden und Grenzwerte im Sinne einer Alkoholedukation
    • Informationsbroschüren aushändigen, z.B. Alkohol und Gesundheit
    • Bestimmung der Laborparameter (γ-GT, MCV, MCH, CDT) zur Verlaufskontrolle, vgl. Biologische Marker

Auswahl Selbsttests, Selbsthilfeprogramme und Literatur

 

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