Naltrexon (Naltrexin®)

Wirkung

  • Naltrexon ist ein μ (Mü)-Opiat-Antagonist, der dem sogenannten "Craving" (Suchtdruck) durch Blockade der Dopaminfreisetzung im Limbischen System entgegen wirkt
  • Beim chronischen Alkoholkonsum wird das Beta-Endorphin stimuliert, welches direkt eine Dopaminfreisetzung im Nucleus Accumbens (Nc Acc) bewirkt und indirekt über die Hemmung der gamma-Amino-Buttersäure die Dopaminausschüttung im Nc Acc fördert

Limitatio

  • Naltrexon ist als medikamentöse Unterstützung der Entwöhnungsbehandlung nach erfolgter Entgiftung von Opiatabhängigen und von Alkoholabhängigen zugelassen
  • Nach einem körperlichen Entzug ist bei der Behandlung mit Naltrexon eine ambulante psychotherapeutische Begleitung sinnvoll und erhöht die Erfolgschancen

Indikation

  • Es wird eingesetzt zur Verminderung von Rückfällen und / oder zur Trinkmengenreduktion aufgrund der Abschwächung der belohnenden Effekte von Alkohol

Kontraindikationen

  • Akute Hepatitis, schwere Leberfunktionsstörung
  • CAVE! Bei einem aktuellen oder kurz zurück liegenden Opioidkonsum oder einer Schmerztherapie unter Opioid wird ein abrupt beginnendes Opioidentzugssyndrom ausgelöst

Dosierung

  • 1 Tbl. à 50 mg pro Tag. Klinisch bewährt hat sich jedoch eine einschleichende Behandlung mit ½ Tabl. pro Tag für mindestens 1 Woche. So treten weniger Nebenwirkungen auf
  • Wegen der langen Halbwertszeit der Opiatrezeptorenblockade wird häufig folgendes Dosierschema angewendet:
    • montags und mittwochs je 100 mg Naltrexon (= 2 Tabl.) pro Tag und
    • freitags 150 mg Naltrexon (= 3 Tabl.) (insgesamt 350 mg)
  • Grundsätzlich kann Naltrexon nach einer Zeit der täglichen Einnahme bedarfsgerecht z. B. bei Craving und vor Trinkereignissen wie Nalmefen eingenommen werden

Nebenwirkungen

  • sehr häufig:
    • Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Unruhe, Nervosität
  • häufig:
    • Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, Depressionen, Stimmungsschwankungen
    • Schwerer und dosisabhängiger Schwindel, Durst, Müdigkeit, Benommenheit, Schüttelfrost, vermehrte Transpiration

Auf den Einfluss bei Opioidkonsum und Opiatanalgesie zur Schmerzbekämpfung muss der Betroffene hingewiesen werden und optimalerweise einen Behandlungsausweis mit sich führen.

Anmerkung aus klinischer Sicht: Einige mit Naltrexon behandelte Patienten berichteten über ausgeprägte Benommenheit und Schwindel, sodass in diesen Fällen die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen erheblich eingeschränkt bzw. aufgehoben war; ein entsprechender Warnhinweis fehlt in den Fachinformationen des aktuellen Arzneimittelkompendiums (Stand 03/2012)

Dauer

  • Mindestens 3 Monate
  • Bei zeitlich begrenzten Rückfällen muss die Behandlung mit Naltrexon im Gegensatz zur Antabus®-Therapie nicht unterbrochen werden, da keine schwerwiegenden Wechselwirkungen zu erwarten sind

Kosten

  • Bei Verabreichung nach oben genanntem Dosierungsschema (1 Tabl à 50 mg/Tag) Tagestherapiekosten von 3.80 CHF (Stand Januar 2020)


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