Nalmefen (Selincro®)

Wirkung

  • Nalmefen ist ein selektiver Opioid-Rezeptorligand mit antagonistischer Aktivität am μ- und δ-Rezeptor und mit partieller agonistischer Aktivität am κ-Rezeptor
  • In-vivo-Studien haben gezeigt, dass Nalmefen den Alkoholkonsum verringert, möglicherweise durch Modulierung mesolimbisch-mesokortikaler Funktionen

Indikation

  • Reduktion des Alkoholkonsums bei erwachsenen Patienten mit Alkoholabhängigkeit, deren Alkoholkonsum „sich auf einem hohen Risikoniveau befindet“ (>60 g/Tag für Männer; >40 g/Tag für Frauen)
  • bei denen keine körperlichen Entzugserscheinungen vorliegen und für die keine sofortige Entzugsbehandlung erforderlich ist
  • Eine kontinuierliche psychotherapeutische und soziale Unterstützung, die auf kontinuierliche Therapie und eine Reduktion des Alkoholkonsums zielen, sollte die Behandlung begleiten (vergleichbar Naltrexin® und Campral®)
  • Nalmefen ist nicht für Patienten bestimmt, deren Therapieziel eine sofortige Abstinenz ist; es kann zur Verminderung von Rückfällen und / oder zur Trinkmengenreduktion aufgrund der Abschwächung der belohnenden Effekte von Alkohol kommen

Kontraindikationen

  • Behandlung mit Opioid-Analgetika
  • bestehende oder kurz zurückliegende Opioidabhängigkeit bzw. Opioidagonisten Therapie (OAT) oder akute Opioid-Entzugssymptome
  • schwere Leber- oder schwere Nierenfunktionsstörung (eGFR < 30 ml/min pro 1,73 m2)
  • in jüngster Vergangenheit aufgetretene akute Alkoholentzugserscheinungen (einschliesslich Halluzinationen, Krampfanfällen und Delirium tremens)

Dosierung

  • Nalmefen soll nach Bedarf eingenommen werden: An jedem Tag, an dem der Betroffene das Risiko verspürt, Alkohol zu trinken, sollte möglichst 1-2 h vor dem voraussichtlichen Zeitpunkt des Alkoholkonsums eine Tablette eingenommen werden; das gilt auch für Situationen oder Anlässe, die üblicherweise mit Alkoholkonsum einhergehen (z. B. soziale Anlässe, Feiern im Betrieb bzw. in der Familie, etc.)
  • Wenn der Betroffene bereits begonnen hat, Alkohol zu trinken, sollte sobald wie möglich eine Tablette eingenommen werden
  • Maximale Dosis: eine Tablette (18 mg) pro Tag

Nebenwirkungen

sehr häufig / häufig:

  • Verminderter Appetit, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Verwirrtheit, Ruhelosigkeit, verminderte Libido, Schwindel, Kopfschmerzen, Somnolenz
  • Tremor, Aufmerksamkeitsstörungen, Parästhesie, Hypoästhesie, Tachykardie, Palpitationen
  • Übelkeit, Erbrechen, trockener Mund, Hyperhidrosis, Muskelspasmen
  • Ermüdung, Asthenie, Unwohlsein
  • Die Nebenwirkungen schwächen sich nach klinischer Erfahrung im Verlauf der Behandlungszeit ab

Dauer

Die Anwendungsdauer auf Basis klinischer Daten beträgt bisher 6 bis 12 Monate.

Bewertung

Aus klinischer Sicht erscheint die trinkmengenreduzierende Behandlung mit Nalmefen keine Alternative für die alkoholabhängigen Personen, die bisher erfolgreich abstinenzorientiert behandelt worden sind. Das durch die Zulassung vorgegebene Behandlungskonzept eröffnet aber die Chance, Patienten zu erreichen, die (noch) nicht bereit sind, ein Abstinenzziel anzustreben. Im Sinne eines „stepped care“ kann hier die Trinkmengenreduktion, im ersten Schritt ohne, im zweiten Schritt mit medikamentöser Unterstützung, eine sinnvolle Erweiterung der Therapieoptionen darstellen (Kiefer & Dinter 2013).

Zulassung

Selincro® ist seit April 2014 in der Schweiz zugelassen und rezeptpflichtig.1

Kosten

14 Filmtabletten à 18mg CHF 88.25 (Stand Januar 2020).

 

1Swissmedic Limitatio: Zur Reduktion des Alkoholkonsums bei erwachsenen Patienten mit Alkoholabhängigkeit, deren Alkoholkonsum sich auf einem hohen Risiko-Niveau gemäss WHO Drinking Risk Levels (DRLs) für Alkoholkonsum befindet (Alkoholkonsum >60 g/Tag für Männer und >40 g/Tag für Frauen an einem Heavy Drinking Day), bei denen keine körperlichen Entzugserscheinungen vorliegen, und für die keine sofortige Entgiftung erforderlich ist. Die Diagnose der Alkoholabhängigkeit, die Verschreibung, Überwachung und Dokumentation der Therapie muss durch einen geeignet qualifizierten Arzt mit Erfahrung in der Therapie von Alkoholabhängigen erfolgen. Die Behandlung darf nur bei Patienten eingeleitet werden, deren Alkoholkonsum sich 2 Wochen nach einer initialen Untersuchung weiterhin auf einem hohen Risiko-Niveau befindet.
Nur als zusätzliche Behandlung in Verbindung mit kontinuierlicher psychosozialer Unterstützung, die auf Therapieadhärenz und eine Reduktion des Alkoholkonsums zielt. Die Vergütung erfolgt über einen Zeitraum von maximal 12 Monaten. Eine Vergütung >12 Monate ist nur nach Kostengutsprache, nach Evaluation des Behandlungserfolgs und des weiteren Behandlungsbedarfs durch den Vertrauensarzt vorgesehen.

 

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